Welche Rolle spielt die Authentizität?

Fragst Du dich manchmal welche Rolle die Authentizität spielt? Fragst Du dich, ob es denn in der Selbstliebe nicht darum geht, sich so anzunehmen wie man ist? Welchen Zweck hat dann dieser „Selbstverbesserungsversuch“ wenn nicht den, dass wir uns von der Selbstannahme und somit der Selbstliebe entfernen?

Viele definieren die Authentizität als eine Eigenschaft, die erst durch Selbstoptimierung erreicht werden kann. Und viele entwickeln eine Abwehrhaltung, wenn sie diesen Begriff lesen, weil sie womöglich denken, sie wären in diesem Moment unauthentisch und müssten erst einen langen Selbstverbesserungsweg gehen, bevor sie dieses „Ziel“ erreichen. Dafür fühlen sich viele nicht bereit. Solche Denkfehler können fatal sein, wenn wir sie nicht hinterfragen und einfach Definitionen annehmen, die gar nicht unserer inneren Wahrheit entsprechen. Denn genau solche unwahren Definitionen sind es, die uns von unserer Authentizität entfernen. Deshalb möchte ich gerne noch einmal auf dieses Thema eingehen. 

Wann sind wir authentisch?

Dann, wenn wir im Einklang mit uns selbst sind. Ich weiß, das klingt vielleicht für den ein oder anderen noch etwas abstrakt. Aber um es zu verstehen, gehen wir noch tiefer…

Wann sind wir im Einklang mit uns selbst?

Wenn das, was wir fühlen und das, was wir tun mit unseren Gedanken, wer wir sind, übereinstimmt. Die Übereinstimmung findet dann statt, wenn wir ein positives Gefühl haben.

Wann wissen wir, ob wir im Einklang mit uns selbst sind?

Dann, wenn wir positive Gefühle haben – dann, wenn wir Freude empfinden. Dann leben wir in Integrität und sind authentisch. Denn dort, wo die meiste Freude ist, dort ist auch die meiste Wahrheit. (Paul Claudel)  Ich liebe dieses Zitat, weil es so einfach ist und doch so viel aussagt.

Gefühle sind die wahrhaftigsten Wegweiser. Und die Freude zeigt die Richtung vor.

Woher wollen wir aber wissen, ob uns etwas Freude bereitet, wenn wir es nicht kennen?

Höre auf deinen Impuls, wenn Du vor der Entscheidung stehst: Fühlt er sich positiv oder negativ an? Wenn der Impuls positiv ist, dann weißt du, dass dir diese Entscheidung noch mehr Positivität bringen wird. Wenn er negativ ist, dann weißt du, dass diese Entscheidung nicht das Richtige für dich ist. Es ist so einfach und doch halten sich viele nicht an diese einfache Freudenregel.

Als ich auf der Suche nach meiner inneren Wahrheit war und noch nicht so richtig wusste, wie Gefühle richtig zu interpretieren sind, lag ein kleiner Zettel auf der Straße, als ich mit meinem Hund spazieren ging. Ich hob diesen Zettel intuitiv auf und fand dieses Zitat darauf. Seit dem hat sich mein Leben geändert. Denn ich wurde mir der Freude als inneren Wegweiser bewusst. So kam ich mir selbst näher, denn ich begann auf meine Gefühle zu achten und sie dankend anzunehmen, als das was sie sind: Als Wegweiser. Jemand, der von Grund auf positiv ist und nie in der Situation war, seinen Schmerz zu hinterfragen, wird das auch nicht verstehen. Ich bin jemand, dem das Abenteuer oft wichtiger war, als die Sicherheit, weshalb ich mich oft in Situationen begab, die sehr schmerzlich waren. Andererseits konnte ich für viele Situationen nichts dafür, denn ich war noch klein und meine Mutter hat immer nur das getan, was sie für das Beste hielt – auch wenn es für mich Schmerz bedeutete. Ich weiß, in meinem anderen Artikel über das Selbstvertrauen schrieb ich, dass ich mich ständig nach Sicherheit sehnte. Das mag vielleicht deshalb den ein oder anderen verwirren. Aber gerade, weil ich mich überwiegend für das Unbekannte entschied, hatte ich auch gleichzeitig den Wunsch nach Stabilität…um das für diejenigen noch einmal verständlicher zu machen:-). Das lag aber widerrum daran, dass ich mich zu der Zeit noch nicht selbst verstand und mein Gefühl nicht als das interpretierte, was es war.

Wichtig ist zu verstehen, wie jeder einzelne sich selbst sieht. Denn das würde einiges über unsere Handlungen erklären.

Ich bin mir über die Existenz des Nicht-Physischen bewusst – nämlich unserer Seele – die hier ist, um physische Erfahrungen zu sammeln. Deshalb fällt es mir auch leichter, mich dem Leben samt allem, was es mir bringt, hinzugeben. Ich bin mir stets darüber bewusst, dass die Pointe in der Erfahrung an sich liegt, die uns mit mehr Verständnis für uns selbst und somit für die Welt beschenkt. Für mich ist das Verstehen eines meiner wichtigsten Ziele, denn es bringt mich der Freiheit näher.

Allein die Erfahrung, dass für manche unter euch dies esoterisch klingen mag (ohne zu wissen, was Esoterik bedeutet und deshalb Negatives damit assoziiert), zeigt euch, wer ihr aktuell seid und wo ihr mit eurem Verständnis liegt. Egal zu welchem Entschluss nun der ein oder andere gekommen ist – jeder ist dabei absolut im Recht. Denn in seiner Realität ist dieser Entschluss seine Wahrheit. Als ich das wirklich verstanden habe, wurde mir klar, wie sinnlos eigentlich der Wunsch ist, Recht zu haben. Und es lässt sich um einiges leichter leben, wenn unsere Motivation zu handeln, nicht mehr dem Wunsch Recht zu haben – unserem Ego – entspringt. Seitdem entspringen meine Anreize zu handeln nicht mehr meinem Ego, sondern meinem Herzen.

Dazu ein Beispiel: 

Früher wäre mein ganzer Tag dahin, wenn mich eine unbekannte, aggressiv erscheinende Person an der Straße angerempelt hätte. Denn ich hätte mit dem gleichen Gefühl darauf reagiert – nämlich auch mit Aggression, welche bei beiden Seiten dem Wunsch im Recht zu sein entspringt. Dann hätte diese Person wieder mit Aggression zurückreagiert und ich wäre mit weiterer unausgelebter Aggression nach Hause gegangen, die ich dann zu Hause allmählich an anderen ausgelebt hätte. Am Abend wäre ich unruhig ins Bett gegangen und würde sagen: „Was für ein … Tag.“ Und solche Tage gäbe es immer und immer wieder. In solchen Tagen sind wir die meiste Zeit unauthentisch. Weil wir nur auf andere mit den gleichen Emotionen wie sie reagieren, statt bei uns selbst zu bleiben. 

Welche Rolle spielt also (hier) die Authentizität?

Wenn mich heute die gleiche Person wieder anrempelt, verstehe ich ihren inneren Kampf, den ich selbst auch mit mir hatte. So nehme ich es nicht mehr persönlich und bin fähig, statt mit Aggression, mit Mitgefühl zu reagieren und sogar mit Dankbarkeit, weil sie der Anlass für mein Mitgefühl war.

Authentizität bedeutet also weder in übertriebenen Kostümen herumzulaufen, weil man seinen Mut beweisen will, noch abgefahrene Frisuren zu tragen, weil man sich von den anderen unterscheiden will, noch verrückte Dinge zu tun, weil man anderen zeigen will, wie anders man ist.

Authentizität bedeutet im Einklang mit sich selbst zu sein und aus eigener Verantwortung heraus zu agieren, ohne sich in seiner Entscheidung von anderen beeinflussen zu lassen. Authentizität bedeutet sich selbst anzunehmen und darüber bewusst zu sein, dass die eigenen Schwächen genauso wichtig sind, wie die Stärken. Authentizität bedeutet, sich und seinen Gefühlen stets treu zu sein und zu seinen Wünschen zu stehen. Es bedeutet, sich für genauso wichtig zu erachten wie die vermeintlich wichtigste Person auf Erden, denn wir alle sind gleich und haben unsere Ängste und Sehnsüchte. Authentizität bedeutet nicht etwas gegen den eigenen Willen zu tun und sich auch nicht von anderen eintrichtern zu lassen wie man zu sein scheint – denn das, was andere versuchen dir einzutrichtern, das sind sie in Wirklichkeit selbst. Authentizität bedeutet „NEIN“ zu sagen, wenn es dir keine Freude bereitet und „JA“ zu den Dingen zu sagen, die deine tiefsten Wünsche wiederspiegeln. Authentizität bedeutet frei von Angst zu sein und sich nicht von Ängsten leiten zu lassen. Und Angst entsteht dann, wenn wir glauben keine Macht zu haben und die Verantwortung über uns anderen überlassen.

Dazu musst Du dich nicht selbst optimieren, noch in irgendeiner Weise bessern, sondern lediglich erkennen wer du bist und dazu stehen…es bleibt dir nicht anderes übrig, als dich anzunehmen. Denn jeder Versuch sich selbst zu belügen oder zu hintergehen führt zu Schmerz. Das weißt Du sicher auch selbst. Wenn Du mehr über die Annahme erfahren willst, dann lies meinen Beitrag über Wandel und Hingabe:-).

In Liebe, Marta

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