Geduld in Beziehungen


Die erblühenden Bäume in dieser Frühlingszeit haben mich daran erinnert, wie wichtig die Geduld ist. Nun hatte ich den Impuls, endlich darüber zu schreiben. Ich hatte mich nicht vorher dazu bereit gesehen, da ich mich selbst oft als ungeduldig und sprunghaft sah. Aber ich glaube nicht mehr an Schwächen. Es gibt nur menschliche Eigenschaften, die wir wie Samen aussuchen können und durch tägliches Gießen und Pflegen zu Bäumen heranwachsen lassen können. Andere Samen haben wir irgendwann unbewusst gewählt oder von Anderen in uns einpflanzen lassen – Eigenschaften, die wir daran erkennen, dass sie sich nicht gut anfühlen, wenn wir sie ausleben. Dies sind auch jene Eigenschaften, die nicht unserer inneren Wahrheit entsprechen. 

In Beziehungen vergessen wir manchmal, beharrlich zu sein. Wir wollen schnell an jenen Ort gelangen, wo wir uns sicher und vertraut fühlen. Ich denke, deshalb fällt es vielen so schwer, neue Freundschaften zu schließen. Denn die Illusion von Zeit lässt uns denken, dass wir nicht mehr viel von ihr hätten und tief im Inneren wissen wir schließlich alle, dass Beziehungen Zeit brauchen. Wir denken, unsere lang bestehenden Freundschaften seien mehr wert, als neue, weil wir schließlich „so viel Zeit“ in sie investiert haben und so verschließen wir uns vor wunderbaren Beziehungen und vergessen, wie schön die unbeschwerte Anfangszeit sein kann. Und wenn die Knospen einer Beziehung nicht schnell erblühen, verurteilen wir sie und schneiden sie schlimmstenfalls vorzeitig ab, um im Nachhinein zu uns selbst sagen zu können: Ich hatte es doch gewusst – ich bin einer Blüte nicht würdig.

Deshalb können wir Beziehungen wie Bäume betrachten und von ihnen lernen – keine Ungeduld, wenn er langsam wächst; keine Trauer, wenn seine Blätter abfallen; kein Urteil, wenn seine Äste krumm erscheinen.

Ein Baum IST vollkommen – von seiner Geburt bis zu seinem Ende. Unabhängig, in welcher Wachstumsphase er sich befindet. Und unsere Beziehungen, sowie auch die zu uns selbst, sind es auch. Jede in einzigartiger Weise.

Die meisten Pläne und Träume zerbrechen nicht an unserem Nicht-Können, sondern daran, dass wir ihnen keine Zeit zu Wachsen geben. Wir urteilen vorschnell, wenn sich Resultate nicht dann zeigen, wann WIR es beschlossen haben.

Nimmst Du dir denn auch das Recht, einem Baum zu sagen, wann er zu erblühen hat? 

Ich glaube, der Grund weshalb wir leiden, ist die Illusion, Macht über Zeit zu haben, die es in Wirklichkeit nicht gibt.  Ich sehe allmählich die Zeit als etwas, das Menschen erfunden haben, um das Leben praktischer zu gestalten. Ein Hilfsmittel, dass uns das Gefühl von Ordnung und Struktur gibt. Wir haben uns ein mentales Konstrukt erschaffen, das wir Zeit nennen, um uns beispielsweise Gedanken über Geschehnisse, als auch Ereignisse, die noch nicht passiert sind, verständlich zu machen. Solche Gedanken kategorisieren wir dann in Vergangenheit und Zukunft. Und da wir die wundervolle Fähigkeit besitzen, unsere Gedanken in Form von Bildern zu denken, gelingt es uns eine Art „parallele Welten“ zu erschaffen – bewusst oder unbewusst. 

Wer sie bewusst erschafft, der weiß, dass er selbst Schöpfer seiner Welt ist und wer sie unbewusst erschafft, der sieht sich immer noch als Sklave seiner Gedanken über Vergangenheit und Zukunft – der ist in sich selbst gefangen. Dies ist auch der Grund, weshalb es Menschen gibt, die aus sich ausbrechen wollen. Dies war bei mir der Grund.

Ich bin überzeugt, das einzige, das gewiss ist, ist die ewige Vergänglichkeit.

Alles verändert sich ständig, um in einer neuen Form wieder zu erscheinen. Genauso wie wir selbst. An unserem eigenen Geist können wir doch am besten erkennen, dass nichts von Beständigkeit ist und kein persönliches Attribut von Dauer sein muss. Wir sehen die Menschen im gegenwärtigen Moment und urteilen über sie. Dabei vergessen wir, dass sie genauso wie wir wandelnde Geister sind und morgen bereits eine neue Form angenommen haben können. Emotionale Ereignisse, wie ein Verlust, helfen uns dabei neue Formen anzunehmen und uns vielleicht daran zu erinnern, wer wir waren oder sein können. Jede Ursache hat eine Wirkung und jede Wirkung hat eine Ursache. Alles ist ist miteinander verbunden. Alles ist ein großes Ganzes. Und dieses große Ganze, um es in seinen Teilen besser zu verstehen, unterteilen wir in Zeit.

Habe Geduld mit Dir. Und mit Anderen. So einzigartig wie wir sind, ist auch unser Tempo.

Erkenne, dass Urteile letztendlich nur Urteile über die Zeit sind. Kein Mensch ist nach zehn Jahren der selbe. Kein Baum bleibt ewig in seiner Frühlingspracht. Kein Glück verweilt ewig, genauso auch die Trauer.

Statt Menschen deine Schablone aufsetzen zu wollen – deine Meinung, deine Werte, deine Vorstellungen – akzeptiere, dass er seine eigene hat. Nur so, kannst Du dich selbst akzeptieren. Denn was Du anderen gibst, das gibst du dir selbst. 

Also erinnere dich daran, zu schätzen, was du jetzt hast und wer du jetzt bist. Denn morgen könnte es nicht mehr sein. Umarme deine Geliebten, als wäre es das letzte Mal. Ich weiß, diese Dinge sind schon zu Sprichwörtern geworden, die an Bedeutung verloren zu haben scheinen….Aber in ihnen liegt immer noch und wird immer die größte Weisheit und Bedeutung liegen.

Das Gewahrsein über die Vergänglichkeit ist unsere beste Ausstattung, um glücklich zu sein. 

In Liebe,

Marta

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